Mörser und ihre Spuren
In Berlin fanden in der Endphase des Zweiten Weltkriegs zwischen dem 21. April 1945 und dem 02. Mai 1945 Straßenkämpfe zwischen der Roten Armee und der Wehrmacht statt. Diese waren geprägt durch den Einsatz von Mörsern, die bei der Roten Armee als Granatwerfer bezeichnet wurden.
Die eingesetzten Mörser waren Infanteriewaffen für das Steilfeuer. Aus dem leicht transportablen Rohr wurden Wurfgranaten verschossen, die je nach Umfang der eingesetzten Treibladung einige hundert bis einige tausend Meter weit fliegen konnten.
Eine Granate wurde mit dem Flügelschaft nach unten von der Mündung in das aufrecht stehende Glattrohr fallen gelassen. Beim Erreichen des Rohrbodens zündete eine dort befindliche Zündnadel die Treibladung im Flügelschaft. Die Treibladung stieß die Granate (auch Wurfgranate oder Bombe genannt) nach oben aus dem Mörser aus. Dabei fing eine Bodenplatte unter dem Mörser den Rückstoß ab. Auf der steilen Flugbahn stabilisierten die Flügel die Granate. Die Granate schlug unter einem Winkel zwischen 70° und 80° zur Horizontalen[1] im Ziel auf. Die Sprengladung wurde durch einen Aufschlagzünder ausgelöst, der so ausgelegt war, dass die Granate oberirdisch umsetzte. Der gewünschte Effekt war eine Splitterwirkung in einem flachen Fächer. Durch den steilen Einschlagwinkel lag dieser Fächer meist nahezu horizontal.
Im Kampfgeschehen rissen die Splitter den gegnerischen Soldaten die Füße weg oder alles, was sich sonst in Bodennähe befand. Heute sichtbar sind für uns Splitterrosen in horizontalen Flächen (Straßenpflaster) und Splitterfächer in vertikalen Flächen (Wände und straßenseitige Wangen von Bordsteinen). Die Splitterrosen entstanden durch den im Englischen side spray genannten Splittereffekt bei leichter Neigung der Flugbahn gegenüber der Senkrechten. Da die Flugbahn in Richtung auf den Abschuss geneigt war, schlugen die Splitter in Richtung auf das Geschütz in den Boden ein. Die Rose zeigt also in die Richtung, aus der die Granate kam, auch wenn das auf den ersten Blick kontraintuitiv wirkt. Großsteinpflaster wurde in den letzten 80 Jahren häufig für Straßenarbeiten aufgenommen und wiederverlegt, oft an ganz anderer Stelle, sicher aber nicht im selben Verband wie während der Straßenkämpfe. Das bedeutet für die Spuren zweierlei:
- Finden sich intakte Rosen im Straßenland, dann ist das Großsteinpflaster seit 80 Jahren nicht bewegt worden.
- Die Einschlagspuren, die ein Großteil der Großpflastersteine aufweist, waren ehemals Teil von Splitterrosen, die heute nicht mehr als solche erkennbar sind.
Abgrenzungen:
- Gemäß Ball & Jenzen-Jones [1:1] schlägt Artilleriefeuer typischerweise in einem Winkel von 15° bis 20° ein. Der Einschlagwinkel mag für unterschiedliche Geschützklassen größer gewesen sein, kam aber nicht an den sehr steilen Einschlagwinkel von Mörsern heran, wodurch die beinahe horizontalen Splitterfächer ein klares Merkmal für Mörser sind.
- In Berlin haben sich Luftangriffe und Straßenkämpfe im gesamten Stadtgebiet überprägt. Die deutlichen Mörserspuren sind in Berlin heute noch ubiquitär. In Leipzig haben Straßenkämpfe bei der Einnahme durch die US-Streitkräfte nur vereinzelt stattgefunden.[2] Davon zeugen altes Pflastermaterial und alte Bordsteine ohne Mörserspuren.
Trevor Ball & N. R. Jenzen-Jones (20. Juli 2026). An Introduction to Crater Analysis. ARES ↩︎ ↩︎
MDR (18. April 2025). Kampf um Leipzig – Blutiges Kriegsende an der Pleiße ↩︎
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